Wirtschaftsanalyst: Der Kraftstoffpreis in Bosnien-Herzegowina könnte 4 KM erreichen, wenn die Behörden untätig bleiben.

Nach der Schließung der saudischen Ost-West-Pipeline ist der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl auf über 106 US-Dollar gestiegen, und an den Märkten wird bereits über ein Szenario von 120 Dollar spekuliert. Der Wirtschaftsanalyst Igor Gavran erklärt gegenüber dem Portal Avaz, was das für die Kraftstoffpreise in Bosnien-Herzegowina bedeuten könnte — und warum die Krise keine natürliche Erscheinung ist.

Mehr Psychologie als reale Verknappung

Laut Gavran ist die Schließung der saudischen Pipeline im Vergleich zu den Ölmengen, die täglich durch die Straße von Hormus fließen, nur eine geringfügige Störung. Es handle sich eher um eine psychologische Marktreaktion als um einen tatsächlichen Rückgang des weltweiten Angebots — der Ölpreis liege weiterhin unter dem Niveau zu Beginn der US-Aggression gegen den Iran. Das werde die Tankstellen in Bosnien-Herzegowina jedoch nicht davon abhalten, die Preise zu erhöhen, obwohl die reale Lage nicht schlechter sei als vor einigen Monaten.

Vor der Krise passierte etwa ein Viertel des weltweiten Öl-Seehandels die Straße von Hormus. Kurzfristige Engpässe erwartet Gavran nicht, da seriöse Länder über alternative Bezugsquellen und Reserven verfügen. Bosnien-Herzegowina sei jedoch — ohne eigene Reserven und mit stillgelegter Raffinerie — anfälliger für Störungen; zumindest instabilere Preisbewegungen seien zu erwarten. Zusätzlichen Druck erzeugen ukrainische Angriffe auf russische Ölanlagen, die das weltweite Dieselangebot stören.

Das 120-Dollar-Szenario

Analysten von Goldman Sachs rechnen bis Jahresende mit einem möglichen Ölpreisanstieg auf 120 Dollar pro Barrel. Gavran zufolge hängt alles von einem einzigen Akteur ab — den USA: Dies sei keine natürliche oder systemische Krise, sondern die Folge einer durch nichts provozierten US-Aggression gegen den Iran. Ende dieser Aggression könnte auch das Ende der Hormus-Blockade bedeuten, mit einem entsprechend starken Preisrückgang. Eine Aufhebung der Sanktionen gegen Iran und Russland sei ein weiterer möglicher Weg zur Stabilisierung.

Für die Haushalte in Bosnien-Herzegowina könnte das im schlimmsten Fall einen Kraftstoffpreis von rund 4 KM pro Liter (umgerechnet etwa 2 Euro) bedeuten — allerdings nur, wenn man die Entwicklung sich selbst überlässt. Den Behörden stünden Instrumente zur Verfügung: Senkung der Verbrauchssteuern, Reduzierung der Mehrwertsteuer, Nutzung staatlicher Kraftstoffreserven sowie die Wiederinbetriebnahme der Raffinerie in Bosanski Brod.

Preiserhöhungen ohne reale Grundlage

Gavran warnt zudem vor einer weiteren Facette: In Bosnien-Herzegowina diene die globale Krise häufig als Vorwand für ungerechtfertigte Preiserhöhungen. Während einzelne Importgüter wie Kraftstoff oder Mineraldünger tatsächlich teurer geworden seien, erhöhten viele Händler ihre Preise unter Berufung auf das Weltgeschehen — obwohl sie davon real kaum betroffen seien.

Der Dollar spielt nicht mehr dieselbe Rolle

Der traditionelle Zusammenhang zwischen steigenden Ölpreisen und einem stärkeren Dollar sei heute schwächer, da zunehmend auch in anderen Währungen abgerechnet werde und das Vertrauen in den Dollar allgemein sinke. Selbst bei einem stärkeren Dollar gebe es laut Gavran für die Bürger Bosnien-Herzegowinas keinen Grund zu großer Sorge — die Importe aus dem Dollarraum seien minimal, und auch die Exportvorteile blieben begrenzt.

Drei Szenarien bis Jahresende

Eine Deeskalation würde weltweit zu sinkenden Preisen führen, doch in Bosnien-Herzegowina würde sich laut Gavran vermutlich nur der Kraftstoffpreis verringern — Händler, die ihre Preise ungerechtfertigt erhöht haben, würden dies ohne Druck der Behörden nicht von sich aus rückgängig machen. Ein eingefrorener Konflikt entspräche weitgehend dem aktuellen Zustand: höhere Preise, gelegentliche Instabilität, aber keine neuen dramatischen Sprünge. Eine weitere Eskalation wäre das schwärzeste Szenario: Beschädigung von Produktionskapazitäten, weiter steigende Preise und möglicherweise nach einiger Zeit auch Engpässe.

Wie man sich schützen kann

Gavrans Rat an Haushalte und Kleinunternehmen: Wer es sich leisten kann, sollte über eigene Energieerzeugung nachdenken, etwa durch Solaranlagen, den Umstieg auf Elektrofahrzeuge sowie die Speicherung von Energieträgern, wo dies möglich ist. All das seien jedoch, so Gavran abschließend, lediglich Wege zur Abmilderung der Folgen — keine vollständige Absicherung dagegen.

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