Am vergangenen Montag kam die offizielle Ankündigung, dass die Regierung als Reaktion auf die globalen Entwicklungen auf dem Ölmarkt Schutzpreise für Kraftstoff in Ungarn einführt. Als Ergebnis dieser Maßnahme ist die Verbrauchsteuer auf Benzin an heimischen Tankstellen auf das niedrigste Niveau in der Europäischen Union gesunken. Die Kraftstoffpreisbeschränkung gilt neben Privatpersonen auch für Unternehmer, Landwirte und Transportunternehmen.
Ein enormes Problem für Ungarns Energieversorgung stellt die Tatsache dar, dass die Ukraine die Druschba-Pipeline nicht wieder in Betrieb genommen hat — und die wegen des Nahostkonflikts steigenden Weltmarktölpreise haben die Lage noch verschärft. Auf den globalen Ölschock reagierte die ungarische Regierung jedoch schnell: Genau eine Woche zuvor kam die Ankündigung, dass ab Mitternacht desselben Tages eine Kraftstoffpreisbindung eingeführt wird.
Es wurden folgende Schutzpreise festgelegt:
- Benzin: 595 HUF pro Liter (~1,51 €)
- Diesel: 615 HUF pro Liter (~1,56 €)
Den Behördenpreis können ausschließlich Fahrzeuge mit ungarischem Kennzeichen und ungarischem Fahrzeugschein in Anspruch nehmen. Neben Privatpersonen können auch Landwirte, Transportunternehmen und Gewerbetreibende zu diesem Preis tanken.
Kraftstoffverbrauchsteuer auf EU-Mindestniveau
Um die Schutzpreise für Kraftstoff zu gewährleisten, hat die Regierung die Verbrauchsteuer auf Benzin und Diesel bis zum 1. Mai 2026 auf das EU-Mindestniveau gesenkt.
Infolge dieser Maßnahme:
- sank die Verbrauchsteuer um rund 20 HUF pro Liter (~0,05 €)
- was zusammen mit der Mehrwertsteuer zu einer Preissenkung an den Tankstellen von etwa 25 HUF (~0,06 €) führen kann
Insgesamt:
- fiel die Verbrauchsteuer auf Benzin 95 auf 139,55 HUF pro Liter (~0,355 €)
- die Verbrauchsteuer auf Diesel sank auf 128,28 HUF pro Liter (~0,326 €)
Laut Expertenschätzungen kann dieser Schritt die Inflation in März und April direkt um etwa 0,23 Prozentpunkte senken und gleichzeitig das real verfügbare Einkommen der Haushalte erhöhen — wie die Wirtschaftsforschungsstiftung Oeconomus in ihrer Studie feststellt. Die Steuersenkung betrifft nicht nur die Bevölkerung, sondern auch Unternehmen und kann die Kosten in Transport, Landwirtschaft und Industrie reduzieren.
Was ist die Verbrauchsteuer und wie wird ihre Höhe bestimmt?
Obwohl Weltmarktbewegungen oft stärkere Auswirkungen haben als nationale Steuermaßnahmen, versucht die Regierung durch Steueranpassungen, externe Schocks abzumildern. Die Verbrauchsteuer ist eine klassische Verbrauchssteuer, die pro Liter auf Motorenbenzin und Diesel erhoben wird und beim Inverkehrbringen oder bei der Einfuhr zu entrichten ist.
In Ungarn erhöht sie auch die Mehrwertsteuerbemessungsgrundlage, wodurch ein „Steuer-auf-Steuer“-Mechanismus entsteht. Sie verfolgt einen dreifachen Zweck:
- Einnahmen für den Staatshaushalt generieren
- den Verbrauch regulieren
- fossile Kraftstoffe verteuern aus Umweltschutzgründen
Für Verbrauchsteuern wurde 2024 ein automatischer inflationsgebundener Erhöhungsmechanismus eingeführt: Zu Beginn jedes Jahres steigen die Steuersätze um die Juliteuerungsrate des Vorjahres. Im vergangenen Jahr betrug die Erhöhung 4,1 %, in diesem Jahr wäre ursprünglich eine Erhöhung von 4,3 % vorgesehen gewesen.
Die Regierung verschob die Januarerhöhung jedoch Ende 2025 auf Juli 2026, sodass die Verbrauchsteuer auf Benzin bei 158,8 HUF (~0,404 €) und auf Diesel bei 148,76 HUF (~0,378 €) pro Liter im Zeitraum Januar–April verblieb. Die Verschiebung verursachte dem Haushalt Einnahmeausfälle von 15–20 Milliarden HUF (~38–51 Millionen €), was jedoch im Verhältnis zur Gesamtgröße des Haushalts ein bescheidener Betrag ist.
Die Ankündigung vom vergangenen Montag, dem 9. März — die Senkung dieses Steuersatzes auf das EU-Mindestniveau — brachte eine noch größere Wende.
Das Ausland folgt dem ungarischen Beispiel der Kraftstoffpreisbindung
Diese Art von Steuer wird nicht nur in Ungarn, sondern auch in anderen europäischen Ländern angewendet. In der EU sind Kraftstoffverbrauchsteuern an Mindestvorgaben geknüpft, und das ungarische Steuersystem orientiert sich an diesem europäischen Rahmen.
Ungarn belegt nun gemeinsam mit Malta den letzten Platz im EU-Ranking — beide Länder halten genau den Mindestsatz von 0,359 € pro Liter ein.
Ungarn ist nicht das einzige Land, das versucht, die Kraftstoffpreise zu zügeln:
- Die rumänische Regierung erwägt eine Senkung der Verbrauchsteuer auf Benzin und Diesel
- Die italienische Regierung prüft die Einführung einer gleitenden Verbrauchsteuer, bei der die feste Steuer automatisch sinkt, wenn die Mehrwertsteuereinnahmen aufgrund steigender Weltmarktölpreise zunehmen
- Auch Österreich hat die Möglichkeit einer vorübergehenden Kraftstoffsteuersenkung zur Abfederung hoher Ölpreise erwogen
Die aktuellen Schutzpreise sind günstiger als die früheren Preisdeckelpreise
Es lohnt sich, die aktuellen Schutzpreise mit den Preisen zu vergleichen, die sich durch die 2022 eingeführte Preisdeckelung ergeben haben.
Der am 9. März dieses Jahres angekündigte Schutzpreis für Benzin 95 von 595 HUF (~1,51 €) pro Liter ist zwar 115 HUF (~0,29 €) höher als der Einheitspreis der Preisdeckelung vom 6. Dezember 2022, beim Diesel mit 615 HUF beträgt der Unterschied bereits 135 HUF (~0,34 €). Die absoluten Werte können jedoch für sich genommen irreführend sein.
Autofahrer sind jetzt tatsächlich in einer viel besseren Lage: Der damalige Behördenpreis von 480 HUF (~1,22 €) pro Liter würde laut den Inflationsdaten des Zentralen Statistischen Amtes, inflationsbereinigt auf den Stand März 2026, fast 805 HUF (~2,05 €) entsprechen.
Es ist auch erwähnenswert, dass in Polen beispielsweise der Benzinpreis (der bei uns 595 HUF / ~1,51 € beträgt) derzeit knapp unter 700 HUF (~1,78 €) liegt, und der Dieselpreis (der bei uns zum Schutzpreis 615 HUF / ~1,56 € kostet) dort 800 HUF (~2,03 €) beträgt. So steigen die Preise — und genau deshalb hat die ungarische Wirtschaftsführung mit der Einführung von Schutzpreisen eingegriffen.
Nach Ansicht der Regierung sichern diese Preise in Ungarn die Stabilität für Familien, Unternehmer und Landwirte. Gleichzeitig wird betont, dass die strategischen Reserven kontinuierlich aufgefüllt werden und die Kraftstoffversorgung des Landes weiterhin gewährleistet ist.
